Teil 2: Nenngröße und Spurweiten

nenngroessen-und-spurweitenNenngröße: Nach dem wir in Teil 1 einige grundlegende Fragen gestellt haben, gilt es im nächsten Schritt die für die eigenen Bedürfnisse geeignete Nenngröße, also die Baugröße auszuwählen. Unter der Nenngröße versteht man einen genormten Modellmaßstab, der das Größenverhältnis von Vorbild und Modell ausdrückt. Die Normalspur beträgt in Deutschland 1435 mm, in H0 ist sie deshalb entsprechend dem Maßstab 1:87 ca. 16,5 mm breit. Ähnlich ist es mit der Spurweite. Sie gibt an, wie groß der Abstand zwischen den beiden Gleissträngen ist und wird im Modellbahnbereich in Millimeter angegeben. So ist die Spurweite in H0 16,5 mm weit, in der Nenngröße N beträgt sie nur 9 mm. Diese Maße gelten für die sog. Normalspur. Daneben gibt es noch eine Meterspur und eine Schmalspur, z.B. um Feldbahnen originalgetreu nachzubilden. Eine Übersicht hierzu findest weiter unten in der Tabelle.

Im folgenden werden wir auf die spezifischen Vor- und Nachteile der jeweiligen Nenngrößen eingehen. Dabei beginnen wir mit der kleinsten Spur und arbeiten uns dann langsam hoch. Zum Schluss ziehen wir dann noch einen Vergleich aller Spuren. Zusätzlich empfehlen wir das Studium der Kataloge führender Hersteller, sowohl im Bahn- als auch im Zubehörbereich.

Modellbahn Nenngröße im Detail von „klein bis groß“

Nenngröße Spur Z

Die Spur Z ist die kleinste, serienmäßig hergestellte Modellbahn. Der Maßstab entspricht 1:220.

Das ist gleichzeitig auch der größte Vorteil, den diese Nenngröße zu bieten hat. Dadurch ebenfalls von Vorteil ist die relativ realistische Darstellung von Zuglängen.

Während in H0 ein Bahnsteig mit einer Lok und 2-3 Waggons oft schon belegt ist, sieht es in Z mit 5-6 Waggons sicher besser aus.

Wer hierauf sehr viel Wert legt, hat hier klare Vorteile. Der Platzbedarf beträgt etwa 40% einer gleichen H0-Anlage.

Natürlich muss man hier aber auch Kompromisse an die Detailgenauigkeit der Modelle eingehen. Allerdings ist es nicht so, dass man sehr einfache Modelle hat. Moderne Guss- und Ätztechnologie erzielt auch hier sehr ansehnliche Ergebnisse, eben nur nicht so gut wie in größeren Spuren.

Wer unbedingt eine Anlage mit vielen Bausätzen, eine Stadt oder ein komplexes Industriegebiet bauen will, wird hier ebenfalls nicht sehr glücklich werden. Bedingt durch die geringere Verbreitung der Spur Z (wenige Prozent Marktanteil) gibt es nur wenige Bausätze der führenden Zubehörhersteller. Hier sind Selbstbau oder Kleinserienhersteller angesagt. Auch Alternativen wie Kartonmodellbau können Alternativen bieten. Wer seinen Schwerpunkt im Landschaftsbau sieht, kann diesen Punkt übergehen.

Auch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es mit der Firma Märklin nur einen Hersteller für die Spur Z gibt, dass Angebot an rollenden Material ist wesentlich geringer als in größeren Nenngrößen. Aufgrund der geringeren Verbreitung sollte man nicht auf günstigere Preise durch Massenproduktion hoffen.

Aufgrund der geringen Größe der Modelle und der filigranen Technik ist diese Nenngröße nicht für Kinder geeignet. Auch kann das rollende Material empfindlicher gegenüber Staub und Störanfälliger sein.

Interessante Anlagen und Gleispläne lassen sich schon ab 2 m? realisieren. Einfache Gleispläne auch schon ab 1 m?.

Nenngröße N

Die Nenngröße N steht für Modellbahnen im Maßstab 1:160. Sie benötigt also ebenfalls wenig Platz (nur 54% einer vergleichbaren H0-Anlage).

Auch stehen hier mehrere Großserienhersteller zur Wahl, in alphabetischer Reihenfolge: Arnold, Fleischmann, Roco und Trix.

Die Auswahl an rollenden Material ist groß, wenn auch geringer als bei H0. Auch die Zubehörhersteller haben ein breites Sortiment im Angebot.

Es ist mittlerweile ein Großteil der H0-Ausstattungen von Gebäuden, Fahrzeugen und Ausschmückung zu bekommen. Auch das immer beliebtere CarSystem ist mittlerweile in Spur N erhältlich.

Da der Maßstab hier nur halb so groß wie bei H0 ist, ist auch die Detailliertheit nicht mit dem von H0 zu vergleichen. Für den normalen Spielbetrieb ist das aber ausreichend.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Spur N ein guter Kompromiss zwischen den Vorteilen der Spur Z (geringster Platzbedarf) und der Spur H0 (hohe Detailliertheit, größte Auswahl an Zubehör darstellt). Dadurch hat die Spur N mit ca. 15% den zweitgrößten Verbreitungsgrad bei Modellbahnen erreicht. Preislich ist die Spur N ebenfalls mit H0 vergleichbar.

Interessante Anlagen und Gleispläne lassen sich schon ab 3 qm realisieren. Einfache Gleispläne auch schon ab 2 qm.

Nenngröße TT

TT ist die Kurzform von TableTop-Bahnen und steht für den Maßstab 1:120. Da TT der verbreitetste Maßstab in der DDR war, sind TT-Anlagen in den neuen Bundesländern besonders stark vertreten. Auch in Großbritannien erreichte TT einen größeren Marktanteil. Der lange Zeit einzige DDR-Hersteller, die Fa. Zeuke, ist heute die Firma Tillig. Daneben gibt es noch die Firma Jatt. Mittlerweile haben auch andere Hersteller wie Fleischmann, Roco, Brawa und Arnold erste TT-Modelle im Programm. Der wichtigste Hersteller von Gebäudemodellen und Zubehör ist die Firma Auhagen, aber auch andere Hersteller wie Faller, kibri und Vollmer haben ein paar TT-Modelle im Programm.

Wem die Nenngröße N zu klein und H0 zu groß ist, der ist hier vielleicht gut aufgehoben. Der Platzbedarf beträgt 78% einer vergleichbaren H0-Anlage. Aber auch hier reicht das Zubehör-Angebot lange nicht an die H0-Auswahl heran. So bleibt TT mit einem Anteil von 10% eine Nische, die sich aber wachsender Beliebtheit erfreut.

Interessante Anlagen und Gleispläne lassen sich schon ab 3-4 qm realisieren. Einfache Gleispläne auch schon ab 2-3 qm.

Nenngröße H0

H0 (sprich H Null) steht schlicht für Halb Null und ist im Maßstab 1:87. Diese krumme Zahl ist also die Hälfte der in den Anfangszeiten der Modellbahn am meisten verbreitete Größe 0 (1:43,5). Der erste Hersteller war die Firma Märklin, der auch heute noch Weltmarktführer im Bereich H0 ist.

Bei H0 dominiert die Masse. Hier gibt es die meisten Hersteller, praktisch jeder Modellbahnhersteller hat auch H0-Modelle im Programm, dazu kommen einige Kleinserienhersteller.

Der Marktanteil in Deutschland liegt bei 60%, auch weltweit ist H0 die dominierende Nenngröße.

Der Zubehörmarkt lässt keine Wünsche offen, kaum etwas aus der Realität, was es nicht auch in 1:87 zu kaufen gibt.

Die Detailliertheit genügt auch hohen Ansprüchen, sowohl beim rollenden Material als auch beim Zubehör. Zusätzlich gibt es hier noch zwei konkurrierende Gleissysteme, das 2-Leiter- und das Mittelleiter-System. Nähere Infos hierzu findest Du im Teil 3 unserer Einstiegsserie. Dazu gibt es ein großes Angebot für das Faller Car System mit Dutzenden Fahrzeugen.

Die Größe der Modelle erlaubt es auch, vorbildgerechte Funktionen anzubringen, von Lichtern und Blinkern in Modellautos, sogar Lichter an Fahrrädern, Funktionsfähige Karussell-Modelle, Motoren lassen sich in Gebäuden verstecken und treiben Wasserräder an Mühlen oder Figuren auf Tanzflächen an, usw. Auch ein entsprechendes Sortiment an Schmalspurbahnen ist in H0 vorhanden. Ebenso bieten einige Hersteller sog. Flexgleise an, das sind Gleise, die sich in gewissen Rahmen selber verbiegen lassen, um so realistische Kurvenverläufe nachzubilden.

Aufgrund der Größe und Robustheit von H0-Modellen ist diese Größe auch für Kinder ab dem Schulalter geeignet. Den Bahnen macht es nichts aus, auch öfter auf dem Fußboden aufgebaut zu werden. Nicht zuletzt sind fast alle großen Schauanlagen in H0 gebaut.

Der Nachteil liegt in dem doch schon recht großen Platzbedarf. Interessante Anlagen und Gleispläne lassen sich ab 6 m? realisieren. Für einfache Gleispläne sollte man schon 3-4 m? Platz haben. Wer wenig Platz hat, kann sich überlegen, eine Straßenbahn zu bauen. Hier lassen sich wie in der Realität glaubhaft enge Radien bauen. Hersteller sind hier Kato, Lima und Roco sowie einige Kleinserienhersteller.

Nenngröße 00

Die Nenngröße 00 sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt. Sie stellt den Maßstab 1:76 dar, ist in Deutschland jedoch ein Exot. In Großbritannien und einigen anderen Staaten findet man Anlagen in diesem Maßstab. Es gibt aber nur wenige Hersteller, sowohl beim rollenden Material als auch beim Zubehör. Der Platzbedarf ist zudem 15% größer als bei H0.

Nenngröße Spur 0

Ab Spur 0 aufwärts steht die Eisenbahn wieder mehr im Vordergrund. Im Maßstab 1:43,5 oder auch 1:45 braucht man schon den Platz einer Garage oder einen größeren Kellerraum. Es gibt kein CarSystem und nur wenig Zubehör. Diese Großbahnen eigenen sich umso mehr zum zwischenzeitlichen Aufbau auf dem Fußboden. Die Spurweite beträgt hier schon 32 mm in der Normalspur. Es gibt wenige Hersteller, z.B. Roco Alpine Line oder Fleischmann Magic Train, einige Kleinseriensteller bieten Messingmodelle in Spur 0 zu entsprechenden Preisen an. Finanziell ist der Aufwand mit dem von Spur H0 vergleichbar. Wer sich auf einfache Streckenabschnitte beschränkt und auf große Bahnhöfe verzichtet, der kann auch im Haus noch eine Spur 0 Anlage realisieren.

Diese Größe ist natürlich gut für Kinder geeignet. Mindestens 6 qm sollte man für einfache Gleispläne mitbringen, komplexere Anlagen benötigen auch schnell mal 15-20 qm Fläche.

Nenngröße Spur I

Für die Spur 1 im Maßstab 1:32, Spurweite 45 mm, gibt es mit der Firma Märklin und Hübner zwei bedeutende Hersteller. Märklin bietet zwei Serien. Zum einen die ?neue Spur 1?, die sog. Profi Bahn. Hier erhält man Modelle in hervorragender Detaillierung, allerdings kostet eine Lok auch 1000 Euro und mehr. Zum anderen bietet Märklin die Maxi Serie, ?die Erlebnisbahn?, die speziell zum Spielen gebaut wurde. Der Schwerpunkt liegt auf kleineren Modellen (2-3-achsige Loks, 2-achsige Waggons) mit geringerer Detaillierung, kostet dafür nur 250 Euro pro Lok und 70-80 Euro pro Waggon.

Nenngröße Spur IIm

Auch hier gibt es mit der Firma LGB (Lehman Großbahn, heute Firma Ernst Paul Lehmann Patentwerk) nur einen Großserienhersteller. Daneben gibt es noch einige Kleinserienhersteller. Der Maßstab beträgt 1:22,5 und die Spurweite beträgt 45 mm. Aufgrund dieser Größe ist die Spur IIm für die stationäre Hausanlage wohl ungeeignet. Nur auf dem Fußboden findet man noch Platz. Alle LGB Modelle und Gleise sind wetterfest, weshalb sich diese auch gut als Gartenanlage eignen. Die Vorbilder entstammen deutschen, schweizerischen und amerikanischen Vorbildern. Das ?m? steht übrigens für die Meterspur, dessen Vorbilder in Spur IIm nachgebildet sind. Darum ist die Spurweite mit der von Spur 1 identisch, denn hier ist die Normalspur das Vorbild. Unterschiede ergeben sich aber aus der Profil- und Schwellengröße.

Neben der Gartenbahn bietet LGB auch eine Spielbahn-Serie an. Es gibt eine Reihe von Funktionswaggons zum be- und entladen, daneben einige Fantasie-Produkte. Ein wichtiger Punkt für die LGB Spielbahn ist besonders für Kinder, dass die Figuren und Gebäude von Playmobil vom Maßstab her zu LGB passen.

Hier noch ein altes aber anschauliches Video:

Weitere Infos zur Nenngröße findest Du auch unter http://de.wikipedia.org/wiki/Nenngröße